Ist man in Barcelona mit dem Taxi unterwegs, will der Fahrer, wie überall auf der Welt die Adresse wissen. So weit, so einfach. Im Eixample erstrecken sich viele Straßen von Süd nach Nord – z.B. vom Rand der Altstadt bis zur Diagonal und darüber hinaus. Genauso von Ost nach West, so die Gran Vía, die sich von der Plaça Espanya fast bis zum Fluß Besòs zieht, der östlichen Stadtgrenze. Und schon sind wir im Koordinatensystem Barcelonas:
Mar i Muntanya – Besòs i Llobregat
Es ist unüblich vom östlichen Teil z.B. der Gran Vía zu sprechen. Sondern Besòs. Liegt das Ziel an der Gran Vía fast an der Plaça Espanya, ist die Koordinate Llobregat. Wenn Sie mit dem Flugzeug nach Barcelona kommen, landen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in Prat de Llobregat. Der Llobregat ist ein Fluss und begrenzt die Stadt im Westen. Und wie ist es bei Nord und Süd? Ganz einfach: Mar i Muntanya (Meer und Berge).
Hinter der Abkürzung MACBA verbirgt sich „Museu d’Art Contemporani de Barcelona“. Anfang der 1990er Jahre war das Museum ein Leuchtturmprojekt in der städtebaulichen Ödnis des Ravals. In der Zeit erfand Barcelona sich (wieder einmal) neu. Die Stadt öffnete sich zum Wasser hin, und es wurde gerade im Raval viel abgerissen, um Licht uns Luft in das Viertel zu lassen, das vor 30 Jahren einen üblen Ruf hatte. Es war die Zeit der olympischen Erneuerung. 1991 begonnen, 1995 eröffnet. Das MACBA muss wie ein Ufo gewirkt haben. Das Raval bleibt ein Viertel im Umbruch. Noch nicht komplett durchgentrifiziert, aber auf dem Weg dahin. Das Surren der Rollkoffer nimmt zu, Selfie-Sticks kommen überall und jederzeit zum Einsatz – die Insignien der Touristen. Aber auch das wilde Raval mit Drogen und Prostition ist noch nicht ganz verschwunden. Neben der Kunst im MACBA wird heute davor die Kunst des Skateboardfahrens zelebriert. Unter Skatern genießt Barcelona einen ganz hervorragenden Ruf. Wie weltweit überall laden die freie Fläche vor dem Museum mit seinen Rampen und Kanten zum Stylen ein.
Ronda ist am besten mit Ring (-straße) zu übersetzen.
Bis 1854 war Barcelona von einer Stadtmauer umgeben. Und zwar nur die heutige Altstadt. Außerhalb lag eine unbebaute Ebene, die ein militärischer Sperrbezirk war und auf Order aus Madrid auch nicht bebaut werden durfte. Von den großen Festungsanlagen auf dem Montjuïc und der Zitadelle im Osten der Stadt und weiteren Festungen wurde die Stadt in den Jahren 1842 und 1843 sogar beschossen. Wie kam es dazu? Die Stadt platzte aus allen Nähten. Die Fabriken im Viertel Raval benötigten viele Arbeiter, die Menschen lebten in prekären Verhältnissen. Nach heutigen Vorstellungen waren Arbeitszeiten, Hygiene, medizinische Versorgung und Ernährung katastrophal. An den Kirchen lagen die Friedhöfe. Seuchen wie Cholera oder Gelbfieber forderten tausende von Toten. Soziale Unruhen und Aufstände waren an der Tagesordnung. Truppen schlugen die Erhebungen nieder, sogar mit Kanonen der Barcelona umgebenden Festungen. Es ging nicht um die Unabhängigkeit Kataloniens! Nach langen Forderungen durften die Stadtmauern 1854 abgerissen werden – vorher hatte Madrid das verboten. Ab 1859 entstand auf der vorher freien Fläche das Eixample, die Erweiterung (das schachbrettartig angelegte Vietel). Wo heute die Straßen Ronda de Sant Pere, Ronda de Sant Pau, Ronda de Sant Antoni und die Ronda de la Universitat liegen, erhob sich früher die Stadtmauer. Rondes gibt es in Barcelona noch einige mehr. Z.B. die Ronda de Dalt oder die Ronda litoral. Dort stand keine Stadtmauer. Ihre Geheimnisse werden in einem anderen Post gelüftet.
Barcelona macht gerne mit 300 Tagen Sonne im Jahr auf dicke Hose. Der 14. April 2018 gehört definitiv nicht in die Kategorie. Wenn alles so läuft, wie man es als Barcelona Besucher erwartet, sollte einen Spaziergang oder ein Lauf am Tibidabo in Erwägung gezogen werden. Bei schönem Wetter werden die Mühen mit grandiosen Blicken auf Barcelona belohnt. Ohne Höhenmeter: die Panorama-Strecke der Carretera de les Aigües. Wer sich ein wenig quälen will: der Tibidabo ist 500 Meter hoch. Von der Endstation der L7 (Avinguda Tibidabo), sind es 6 km bis auf den Gipfel (und 400 Höhenmeter).
Mit der Metro ist man in Barcelona gut, einfach und günstig unterwegs. Der Bus ist eine echte Alternative (siehe Post vom 29. März 2018, „Unterwegs im Bus“). Natürlich gilt generell: Angst vor großen Menschenmengen, die dichtgedrängt zusammenstehen, sollte man nicht haben. Kommt man etwas außerhalb unter oder ein Tagesausflug von der Costa Brava steht an, könnte ein Zug von RENFE das Verkehrsmittel der Wahl sein. Die spanische Version der Deutschen Bahn. Wohnt man nicht weit entfernt von Barcelona, geht’s im Rodalies-Zug in die katalanische Metropole (Rodalies = Regionalbahn). Ob nun RENFE oder Rodalies: die Probleme sind ähnlich wie bei der DB. Oft unpünktlich, morgens uns abends voller Pendler, die schicksalsergeben und leidenfähig das Ungemach über sich ergehen lassen. Z.B. von Sants Estació, Passeig de Gràcia oder Estació de França starten die Züge. Und wenn man ehrlich ist: meistens sind sie recht pünktlich – wie die Deutsche Bahn.
Im Gotischen Viertel trifft man auf Stadtführungen auf rostbraune Stelen oder Infotafeln. Dominiert die Farbe Orange, wandelt man auf den Spuren römischer Geschichte. Überwiegt Blau ist es jüdische Geschichte. Barcelona ist eine römische Gründung: Colonia Iulia Augusta Faventia Paterna Barcino. Eine kleine Militärgarnison. Die Stelen erinnern u.a. an die Befestigungsmauer, eine Nekropole oder Wachtürme. Das Jüdische Viertel liegt im Herzen des Gotischen Viertels. Genau genommen waren es ein großes und ein kleines Jüdisches Viertel. Im Mittelalter, in der Blütezeit Kataloniens, lebten hier 5000 Juden, ein Zehntel der Gesamtbevölkerung. Hinter eigenen Stadtmauern, mit dem Verbot belegt, Handwerksberufe ausüben zu dürfen. Nach Jahrzehnten der Pest, Leid und Tod entlud sich der Hass der christlichen Bevölkerung 1391 brutal. Viele Juden wurden getötet oder vertrieben, die Synagogen zerstört. Wer blieb, musste konvertieren. Später verfolgte die Spanische Inquisition selbst konvertierte Juden erbarmungslos.
Katalonien wird gemäß Artikel 155 der spanischen Verfassung weiterhin aus Madrid zwangsverwaltet. Ehemalige Minister sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft. Der Ex-Präsident Carles Puigdemont ist zwar nicht mehr in der JVA Neumünster, aber er darf Deutschland auch nicht verlassen. Doch die Unabhängigkeitsbewegung ist noch aktiv. Seit ein paar Tagen tragen viele Straßenschilder in Barcelona einen nicht offiziellen Zusatz: República Catalana – katalanische Republik.
Was ist da los mit den Flaggen am Rathaus? Wer sich fragt, was das überhaupt für Flaggen sind, wird im Post „Fun with Flags Teil 1“ fündig. Die Stadtflagge von Barcelona und die spanische Flagge wehen in eine Richtung, die katalanische Flagge in eine andere. Ja gelten denn hier keine Naturgesetze mehr? Hat sich Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau mit Madrid gegen Katalonien verbündet? Schaut man genau hin, sieht man, dass katalanische und spanische Flagge merkwürdig verheddert, verbunden, vereint sind. Große Symbolik also auf dem Dach des Rathauses? Wer weiß?! Aus den letzten Äußerungen des katalanischen Ex-Präsidenten Carles Puigdemont in Richtung Madrid ließ sich mit einem bisschen guten Willen Kompromissbereitschaft heraushören.