Alle Beiträge von Sightseeing in Barcelona

Does & Don’ts in Spanien -(Buchbesprechung)

Auch wenn viele Menschen Wert darauf legen, dass Barcelona in erster Linie in Katalonien liegt und nicht in Spanien, sind sich Katalonien und der Rest von Spanien ziemlich ähnlich. So empfinde ich es zumindest, immerhin lebe ich schon 15 Jahre in Barcelona. Im Laufe der Jahre habe ich eher eine ganze Menge Unterschiede zum Leben in Deutschland festgestellt.
Während man sich in Deutschland die Rechnung im Restaurant unter Freunden vom Kellner haarklein auseinander rechnen lassen kann, ist das in Spanien ein No-Go. Wer das verlangt, landet im Fettnapf. Wenn es sich vermeiden lässt, sollte man auch im Taxi nie vorne einsteigen. Das ist genauso ein Fettnäpfen wie lange Gram über notorisch zu spät kommende Spanier. Und mal ehrlich: sind in Deutschland immer alle pünktlich? In Spanien sollte man lieber nicht damit rechnen.
Im Conbook Verlag werden diese und viele andere schlummernde Gefahren im „Fettnäpfchenführer – Spanien“ geschildert. Man muss ja nicht alle Erfahrungen selber machen. Lisa-Graf Riemann schildert die interkulturellen Fallstricke anschaulich und wie man ihnen am besten ausweicht.
Egal ob im Urlaub oder für einen längeren Aufenthalt in Spanien. Und selbst für jemanden, der schon lange in Spanien lebt – absolut erhellend.
https://www.conbook-verlag.de/buecher/fettnaepfchenfuehrer-spanien/

Bonjour, Senyor Bürgermeister-Kandidat!

Kommunalwahlen in Spanien. Am 26. Mai 2019 wird auch in Barcelona gewählt. Einer der Kandidaten gegen die amtierende Bürgermeisterin Ada Colau ist ein alter Bekannter: der ehemalige französische Premierminister Manuel Valls. Ein spanischer Pass und seine katalanischen Wurzeln machen dies möglich. Er hat Großes mit Barcelona vor. Eine Weltausstellung und die Olympischen Spiele 2032 sollen in der katalanischen Metropole stattfinden. Nicht jeder in Barcelona begrüßt das mit einem euphorischen Juhu. Man denke nur an die Abstimmungen für die Sommerspiele von 2024 in Berlin und Hamburg. Außerdem will Valls das Problem der Top Mantas (die meist illegalen ambulanten Straßenverkäufer) endlich lösen.

Das Aus der gelben Schleife

Großer Medienauflauf in Barcelona vor der Landesregierung. An der Fassade der Generalitat fehlt seit heute die gelbe Schleife – dem Zeichen der Solidarität mit den politischen Gefangenen. Damit folgt die Landesregierung den Forderungen des Wahlausschusses, der in der gelben Schleife eine Beeinflussung der Wähler beim kommenden Urnengang sieht. In vorgezogenen Neuwahlen wird am 28. April in Spanien abgestimmt. Bereits in der vergangenen Woche verschwand die gelbe Schleife von der Fassade des Rathauses. Wer genau hinsieht, erkennt allerdings, dass die gelbe Schleife nicht ganz verschwunden ist. Rebellisches Katalonien.

Spaniens AfD

In Spanien gibt es jetzt auch eine Partei am rechten Rand. Bei den Wahlen in Andalusien schaffte es Vox (lat. Stimme) deutlich ins Parlament. Die Gründe sind auch bei den gestiegenen Zahlen von Flüchtlingen zu suchen. Seit die Westbalkanroute und der Weg übers Mittelmeer nach Italien so gut wie unüberwindbar sind, kommen viele Menschen über die Meerenge von Gibraltar nach Spanien, besonders in die südliche Region Andalusien. Bei den spanienweiten Wahlen, die nach dem Scheitern der Regierungskoalition am 28. April stattfinden, wird Vox wohl deutlich zweistellig punkten. Der Gegenwind bläst der neuen Partei in Barcelona auf Katalanisch entgegen. Kein Rassismus. Kein Maschismus. Kein Faschismus. FORAVOX. Raus mit Vox.

Gedenken auf den Rambles

Am 17. August 2017 erreichte der Terror auch Barcelona. 14 Menschen aus aller Welt starben auf den Rambles. Seit vergangener Woche erinnert daran eine schmale Gedenkplatte mitten auf den Rambles. Zwischen dem Miró-Mosaik und dem Opernhaus Liceu ist dieser Ort des Gedenkens leicht zu übersehen. Und so soll es wohl sein: wer die Erinnerung an die Opfer sucht, wird sie finden. Aber die Angst soll nicht allgegenwärtig sein. Und doch sieht man die Folgen des Terrors überall in Barcelona. Große Pflanzkübel, Poller und Betonquader sollen die Menschen schützen. An den Rambles, an der Sagrada Família und anderswo.

Spieglein, Spieglein… welches ist das schönste Haus des Jahres?

Für das neue Jahrhundert musste ein neuer Architekturpreis her: Concurso anual de edificios artísticos. Barcelona schwelgte im Jahr 1900 im Modernisme Fieber. Die besten Architekten erhielten ihre Aufträge vom reichen und selbstbewussten Großbürgertum. Zwar wurde Antoni Gaudí 1900 mit dem ersten Preis ausgezeichnet (wer auch sonst?), für die heute etwas vernachlässigte Casa Calvet (im Carrer Caspe, 52). Aber danach ging er stets leer aus. Andere Kollegen sahnten gleich mehrfach den Preis ab. Lluís Domènech i Montaner ist einer von ihnen. 1906 für die Casa Lleó Morera am Passeig de Gràcia, 35. In unmittelbarer Nachbarschaft also zu Gaudís Casa Batlló. Und 1909 für den Palau de la Música Catalana.

Wann immer Sie in Barcelona solche Platten an Gebäuden sehen, denken Sie daran: Prädikat besonders wertvoll. 1930 war das Thema Modernisme so was von durch. Und 1931 wurde in Barcelona die Spanische Republik ausgerufen. Ein Architekturpreis, mit dem sich das Großbürgertum selbst beweihräuchert, war überflüssig.

Architektur-Masterplan für 1992

Barcelona hatte vor 1992 dem Wasser den Rücken zugewandt, öffnete sich erst in der Zeit der olympischen Erneuerung zum Mittelmeer hin. Federführend für die Planung war zu großen Teilen das Architekturbüro MBM mit ihren Gründern Oriol Bohigas, Josep Maria Martorell und David Mackay. Bohigas war bereits seit 1979 als Berater im Rathaus für die Stadtentwicklung von Barcelona in die Veränderungsprozesse eingebunden. Das Büro entwickelte den Masterplan für das neue, dem Meer hin geöffnete Barcelona. So z.B. das Olympische Dorf, wo zuvor die sterbenden Reste eines runtergekommenen Industrieviertels lagen. Und den Olympiahafen. Riesenprojekte. Aber auch in kleinerem Maßstab veränderte das Team Barcelona. An den Ramblas, auf der Höhe des Mercat de la Boquería, der fast die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zieht, liegt auf der anderen Straßenseite der Palau Nou de la Rambla. In unmittelbarer Nachbarschaft des Palau de la Virrena und des Palaus Moja entstand zwischen 1989 und 1993 der neue Palast, der einen Blick auf die dahinter liegenden Gebäude und den Kirchturm von Santa María del Pi freigibt (siehe Beitragsfoto). Auch internationale Stararchitekten wirkten an der Umgestaltung der Stadt mit. Das Leuchtturmprojekt des Museums für zeitgenössische Kunst (MACBA) im Viertel El Raval stammt von Richard Meier (1991 bis 1995), der Telekommunikationsturm auf dem Tibidabo (Torre de Collserola) von Norman Foster.

Día de Sant Jordi

Der 23. April ist in Katalonien eigentlich ein romantischer Tag. Jede Frau, jedes Mädchen bekommt Rosen geschenkt. Vom Ehemann, vom Freund, vom Vater, vom Patenonkel, vom Chef. Und jeder Mann bekommt ein Buch (und wenn nicht jeder, so doch fast jeder). Aber der Día de Sant Jordi ist auch hyperkommerzialisiert. Überall in Katalonien sind Verkaufsstände für neue und gebrauchte Bücher aufgebaut, die Verlage machen einen Großteil ihres Jahresumsatzes. Und wirklich an jeder Ecke werden Rosen angeboten. Dazu nimmt eine Armee von ambulanten Verkäufern in den vergangenen Jahren dem Tag einiges von seinem ursprünglichen Charme. In diesem Jahr ist der Tag zudem noch stärker nationalistisch in Gelbrot aufgeladen und politisiert als sonst. Gelbe Rosen und Schleifen künden von der Solidarität mit den politischen Gefangenen (den in Untersuchungshaft sitzenden katalanischen Politikerin).

Und woher kommt dieser Brauch? Der 23. April ist der Todestags des heiligen Georg (Sant Jordi), ein christlicher Märtyrer. Im Mittelalter wurde dazu die Legende des Drachentöters Jordi populär. Jordi befreite ein Dorf von der Tyrannei eines Drachens, tötete ihn mit seiner Lanze. Aus dem Blut des Drachens wuchsen wunderschöne Rosen. Die schönste von ihnen bekam die Prinzessin (der Jordi vorher das Leben gerettet hatte).

Und warum bekommen Männer Bücher geschenkt? Der 23. April ist der Todestag von Cervantes (Don Quijote) und in Spanien Tag des Buches. Außerdem ist es auch der Todestag von Shakespeare. Obwohl das nur die halbe Wahrheit ist. Zwar starb der englische Dichter ebenfalls am 23. April. Doch damals gab es noch zwei Kalender. Den julianischen und den gregorianischen. Und die lagen zehn Tage auseinander.

Das Beitragsfoto zeigt einen Teil der Fassade der Casa Batlló am Passeig  de Gràcia. Nur ein paar Tage im Jahr mit (künstlichen) Rosen geschmückt. Aber für immer erinnert der Drache auf dem Dach an Sant Jordi (um ihn zu erkennen, braucht man nicht viel Phantasie).

 

Technik, die begeistert!

Der Passeig de Gràcia im Eixample ist in Barcelona eine der feinsten Adressen. In einer Menge von Jugendstil-Gebäuden saugen die Wohnhäuser, die Antoni Gaudí errichtet hat, heutzutage die meiste Aufmerksamkeit ab. Die Casa Milà und die Casa Batlló  werden stets von den größten Menschenmengen belagert. Der Häuserblock zwischen Carrer Aragó und Carrer Consell de Cent wird Häuserblock der Zwietracht genannt, denn dort haben die drei bekanntesten Modernisme (katalanischer Jugendstil) Architekten jeweils ein Gebäude zugesteuert. Neben Gaudís Casa Batlló liegt die Casa Amatller von Josep Puig i Cadafalch. Der dritte Stararchitekt,  Lluís Domènech i Montaner, gestaltete von 1902 bis 1905 das vorher schon stehende Haus im Stile des Modernisme um – 1905 gewann das Haus den Architekturpreis der Stadt. Für kurze Zeit war es vor ein paar Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich, aktuell muss man sich mit einer Virtual-Tour begnügen, wenn man in die Jugendstilzeit um 1900 eintauchen möchte (http://www.casalleomorera.com/en/).

Über den Balkonen der Casa Lleó i Morera im zweiten Stock sind vier allegorische Frauenfiguren zu sehen. Sie verkörpern Technik State of the Art Anno 1900. Grammophon, Elektrizität (Foto oben), Telefon und Fotographie (Foto unten). Ob sich die Betrachter, und gerade die jüngeren, darüber im Klaren sind, dass sie diese Technik vereint heute stets bei sich tragen? Das Smartphone kann alles (und noch vieles mehr), was diese epochalen Erfindungen damals konnten. Vor 115 Jahren waren diese allerdings nur dem wohlhabenden Bürgerturm vorbehalten. Und dazu gehörte die Familie des Auftraggebers Albert Lleó i Morera. Sie machte ein Vermögen in den spanischen Kolonien und im transatlantischen Handel.

Technik State of the Art Anno 1900
Telefon und Fotographie

Die ewige Flamme für 9/11

Katalonien hat seinen ganz eigenen 11. September (siehe „der katalanische 9/11“ vom 11. September 2017). Was war geschehen? Am Ende des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Barcelona, von allen Verbündeten verlassen, 15 Monate von einer Übermacht spanischer und bourbonischer Truppen belagert und fiel am 11. September 1714. Mit dramatischen Konsequenzen: das letzte Bisschen an Souveränität, was Katalonien gegenüber Madrid behauptet hatte, ging verloren. Katalonien, so empfinden es viele Katalanen noch heute, wurde vom damals entstehenden spanischen Staat geschluckt und wird seitdem drangsaliert und ausgeplündert. Die politischen Institutionen wurden geschlossen, Sprache und Kultur unterdrückt. Ein ganzes Stadtviertel abgerissen und dort eine riesige Festung errichtet. Die Ciutadella, die Zitadelle. Das verhasste Symbol der spanischen Besatzungsmacht. Die Festung wurde 1868 abgerissen, heute ist der Parc de la Ciutadella.

Auf dem Platz neben der Kirche Santa María dem Mar wurde 1989 (zum 275 Jahrestag) der Platz durch die katalanische Künstlerin Carme Fiol umgestaltet und heißt heute Fossar de les Moreres (das Grab der Maulbeerbäume) und war früher ein Friedhof, der wie alle Friedhöfe in der Altstadt nach dem Schleifen der Stadtmauern eingeebnet wurde.  Ausgerchnet im Jahr 2001 (das Jahr, das der Rest der Menschheit mit dem 11. September verbindet) kam der Metallbogen mit der ewigen Flamme dazu, ein Werk des katalanischen Architekten Albert Viaplana. Die Flamme brennt im Gedenken an die im katalanischen Befreiungskampf gefallenen Helden.