Archiv der Kategorie: Barcelona und Katalonien aktuell

Unterwegs im Bus (ÖPNV)

Transporte Metropolitans de Barcelona (TMB) bewegt die Stadt
Eine echte Alternative zur Metro: das Busnetz von Barcelona

In Barcelona kann selbst der ausdauerndste Besucher beim besten Willen nicht alles zu Fuß erkunden. Um größere Entfernungen zu überbrücken, muss man früher oder später ein Taxi  oder die Metro benutzen. Auch wenn Taxi fahren in Barcelona günstiger ist als z.B. in Deutschland, ist es ja auch eine Sache des Geldbeutels. Die meisten Besucher nutzen die Metro. Das Netz ist weitläufig und in der Nähe der meisten Sehenswürdigkeiten liegt eine Metro-Station. Und das Metro-Netz ist leicht zu verstehen. Aber geben Sie dem Bus eine Chance! Der Takt ist nicht so dicht wie bei der Metro, aber dafür sieht man mehr von der Stadt. Zudem werden die Busse hauptsächlich von den Barcelonins benutzt. So bekommt man sogar noch ein wenig alltägliches Leben mitgeliefert.

Besonders zu empfehlen:

Linie 150 am Montjuïc, die von der Plaça Espanya bis hoch zur Festung fährt. Das Gelände ist recht weitläufig. Auch das Olympiastadion von 1992 liegt auf dem Berg.

Ist man gerade im Eixample (das schachbrettartig angelegte Viertel) unterwegs, hat gerade am Passeig de Gràcia die Wohnhäuser von Gaudí bestaunt und will nun unbedingt zum Strand … bringt einen die Metro natürlich auch dorthin. Aber schöner ist es im Bus. Aus der Straße Carrer Pau Claris fahren die Linien 39 und 45 direkt zum Strand an der Barceloneta.

Ein anderes Szenario: nach der Sagrada Família soll es zum Camp Nou gehen. Na klar, auch mit der Metro möglich. Aber versuchen Sie die Linie 33 im Carrer Mallorca.

Apropos Sagrada Família. Will man von zur zur Plaça Espanya, macht man mit der Linie 51 eine schöne Stadtrundfahrt.

Und ein letztes Mal Sagrada Família: wenn man von dort zum Strand möchte, im Carrer Lepant fährt die Linie V21 zum Olympiahafen, genannt „el autobus de la toalla“ (der Handtuchbus).

Probieren Sie es einfach aus. Tipp: kaufen Sie sich einen T-10 Zone 1 Fahrschein (mit 10 Fahrten, 10,20 Euro). Die gibt es allerdings nur in den Metro-Stationen zu kaufen – und nicht in den Bussen. Dort ist das Einzelticket mehr als doppelt so teuer.

hier ist das PDF: Buslinien_in_Barcelona

Straßen mit alternativen Namen – Teil 1

Aus der Plaça del Rei ist vor kurzem die Plaça dela República geworden (natürlich höchst inoffiziell). Eine Erklärung erübrigt sich: gemeint ist eine mögliche katalanische Republik, für die sich viele Katalanen begeistern. Und nicht zum ersten Mal erhielt dieses Straßenschild einen Alternativnamen. Vor ein paar Jahren verzierte ein Unbekannter (vielleicht derselbe?) das Schild mit dem Zusatz Elefant. In Anspielung auf die Großwildjagd, der König Juan Carlos frönte. Noch dazu fiel der Monarch durch amouröse Abenteuer unangenehm auf.

Das Straßenschild Plaça d’Antonio López y López (am unteren Ende der Via Laietana) wird im Moment durch einen Alternativvorschlag überdeckt. Plaça de L’1 Octubre 2017 (Platz des 1. Oktober 2017 – an dem Tag fand das von der Zentralregierung in Madrid verbotene Referendum statt). Der Namensgeber wurde erst kürzlich vom Sockel geholt. Auf der einen Seite galt er als Philanthrop. Anderseits hat er wohl viel Geld im Sklavenhandel verdient. Das wurde ihm 135 Jahre nach seinem Tod zum Verhängnis.

Die Plaça d'Antonio López y López ohne des Namensgeber
Kein Photoshop: Señor López y López wurde vom Sockel geholt

Puigdemont in JVA von Neumünster

Der Katalonien-Konflikt spitzt sich zu. Ex-Präsident wurde am 25. März 2018 in Schleswig Holstein festgenommen.
Die beiden bekanntesten Insassen der JVA Neumünster. Mathias Rust und Carles Puigdemeont

Neumünster statt Waterloo, so titelte SPON am 26. März 2018 (allerdings nicht mit dem Foto dieses Posts). Der schwelende Katalonien-Konflikt spitzt sich damit wohl weiter zu. Der abgesetzte Präsident der Landesregierung wurde in der Nähe der Nähe von Schleswig festgenommen und in die JVA Neumünster gebracht. Damit sind die Köpfe der katalanischen Unabhängigkeit weitestgehend aus dem Verkehr gezogen.

Und wer ist der junge Mann links neben Carles Puigdemont? Mathias Rust, der 1987 als Kremlflieger berühmt wurde. Ein paar Jahre später attackierte er eine Schwesternschülerin mit einem Messer. Seine Strafe saß er in der JVA Neumünster ab.

Caganer – der kleine Scheißer

besonders zur Weihnachtszeit gut verkauft
ganz typisch: Caganer mit der roten barretina catalana

Zur Weihnachtszeit sieht man ihn in Katalonien überall in den Krippe. Direkt neben dem Jesuskind, Maria und Josef, den Hirten und den heiligen drei Königen: den Caganer (kleiner Scheißer). Man muss ihn als eine Art Fruchtbarkeitssymbol verstehen. Der Haufen, also der „Dünger“, damit auch im nächsten Jahr alles wächst und gedeiht. Eine Allegorie für den Kreislauf der Natur. Manche sehen in dem kleinen Männchen aber ein Symbol für gute Verdauung und dafür, dass beim Toilettengang jeder gleich ist: mit heruntergelassener Hose und auf Augenhöhe.

Der Caganer entblößt sein Gesäß in verschiedenster Gestalt. Politiker (katalanische, spanische, internationale), Geistesgrößen, Sportler, Sänger, Religionsführer und Zeichentrickfiguren… Es erfordert ein Mindestmaß an Bekanntheit, um so dargestellt zu werden, und man sollte es mit einem Augenzwinkern sehen. Eine in Spanien bekannte Familie sucht man in den Läden (meist) vergebens: Mitglieder des Königshauses. Warum das so ist, dazu mehr in einem der kommenden Posts.

Spuren des Spanischen Bürgerkrieges an der Plaça Sant Felip Neri

Spuren des italienischen Luftangriffs vom 30. Januar 1938
Die Fassade der Kirche Sant Felip Neri

Wenn man verstehen will, warum die politische Lage in Katalonien so ist, wie sie ist, und viele Menschen unabhängig sein möchten, muss man den Blick zurück in die Geschichte wenden. 1936 hat das Militär unter General Franco gegen die junge spanische Republik geputscht. Die Putschisten hatten mächtige Verbündete in Italien und Deutschland, das hieß damals Mussolini und Hitler. Luftkrieg war neu. Im Ersten Weltkrieg spielte er keine kriegsentscheidende Rolle. 20 Jahre später war Spanien das Experimentierfeld der Kriegsmaschinerie. Es gab kaum Luftschutzkeller in Barcelona, und so fanden viele Menschen Schutz in den Gewölben der Kirche. Bei den Luftangriffen des 30. Januar 1938 war der Druck der Detonationen zu groß, die Gewölbe stürzten ein, über 40 Menschen verloren ihr Leben. Die Narben an der Fassade der Kirche rühren also nicht von Erschießungen her, sondern vom Luftkrieg aus der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges.

Nach dem Sieg Francos folgten 36 Jahre Diktatur bis 1975. Die politischen Institutionen wurden geschlossen. Die Kultur unterdrückt, die katalanische Sprache verboten. Sie verschwand aus den Schulen und Universitäten, der Verwaltung, dem gesamten öffentlichen Leben. Gegner des Regimes wurden eliminiert oder verschwanden in den Gefängnissen.

Die Plaça Sant Felip Neri ist heute Schul- und Pausenhof der gleichnamigen Schule. Zwischen 10:30 und 11:30 Uhr ist der Durchgang während der Schulpause gesperrt.

Piscina Municipal de Montjuïc – fantastische Blicke auf die Stadt …

Wettkampfstätte von Olympia 1992: Kunst- und Turmspringen
Sportstätte mit großartiger Aussicht: Piscina Municipal de Montjuïc

Die Blicke vom Piscina Municipal de Montjuïc sind immer noch spektakulär. Wäre da nicht dieser ziemlich blickdichte Zaun, der für die Schwimmweltmeisterschaft 2013 installiert wurde. Man muss ein wenig am Gelände entlangschleichen, um auf Barcelona zu blicken. Oder man geht direkt baden: http://www.picornell.cat

Hier räkelte sich schon Kylie Minogue zum sexy Videodreh. Modenschauen, Werbung und Kongresse nutzen die grandiose Kulisse. Der Montjuïc ist recht weitläufig, von der Plaça Espanya fährt die Buslinie 150 bis zur Festung auf dem Gipfel des Montjuïc. Haltestellen u.a.: Olympiastadion und Piscina Municipal de Montjuïc.

Straßen mit tollen Namen – Teil 2

Die Straße Carrer de Tantarantana im Ribera Viertel
Eher selten in Barcelona: ein Straßenname auf Spanisch

Im Ribera Viertel liegt der Carrer Tantarantana. Drei Versionen, wie es zu diesem ungewöhnlichen Namen kommen konnte, haben eine Gemeinsamkeit: die Onomatopoesie. Die bitte was? Tantarantana ist lautmalerisch zu verstehen.

  1. Der städtische Ausrufer wohnte in dieser Straße, und mit Schellen und Trompete machte er auf die durch ihn verkündeten Nachrichten aufmerksam.
  2. Der Straßenname bezieht sich auf den Glockenklang des nahegelegenen Klosters Convento Sant Agustí.
  3. Der päpstliche Nuntius residierte hier, und seine mit Glöckchen versehene Kutsche sorgte für den Namen.

 

Was macht eigentlich… Oriol Junqueras?

Llibertat presos polítics catalans! Freiheit für die katalanischen politischen Gefangenen. Diese Forderung liest man in diesen Tagen überall in Katalonien – auf Plakaten, Flyern oder als Graffiti. Spätestens seit dem umstrittenen Referendum vom 1. Oktober 2017 ist das Thema katalanische Unabhängigkeit auch für viele Menschen außerhalb Spaniens ein Begriff. Während der abgesetzte Regierungschef Carles Puigdemont weiter in Brüssel weilt, sitzt sein ehemaliger Stellvertreter immer noch in Untersuchungshaft. Oriol Junqueras werden Aufruhr, Rebellion und Veruntreuung öffentlicher Mittel vorgeworfen.

Oriol Junqueras vom ERC (Esquerra Republicana de Catalunya - Republikanische Linke Kataloniens)
Oriol Junqueras – seit dem 2. November 2017 in Untersuchungshaft

Kunst am Strand

Eines der vielen Bespiele für Kunst im öffentlichen Raum in Barcelona.
„L’Estel ferit“ – „The Wounded Star“ (1992) von Rebecca Horn

Die meisten Besucher Barcelonas werden magisch vom Wasser angezogen. Vom Gotischen Viertel am Port Vell (Alter Hafen) entlang sind es zu Fuß keine 20 Minuten. Sucht man Strand einen Fixpunkt, um sich mit Freunden zu treffen, gelingt dies leicht bei einem reichlich windschief aussehenden Turm. Es ist die Installation der deutschen Bildhauerin und Aktionskünstlerin Rebecca Horn aus dem Jahr 1992 mit dem Namen „The Wounded Star“. 1992? Da war doch was!? Richtig, die Olympischen Spiele stellten Barcelona auf den Kopf. Galt die katalanische Metropole in der Zeit davor als eine Stadt, die dem Wasser den Rücken zugewandt hatte, öffnete sich Barcelona nun zum Meer hin. Badestrände gab es früher an der Costa Brava im Norden und an der Costa Daurada im Süden Barcelonas. Und was ist mit dem fast fünf Kilometer langen Strand von heute? Größtenteils aufgeschüttet. Man muss es sich so vorstellen: jenseits des Olympiahafens lagen Anfang der 1980er Jahre die sterbenden Reste eines alten Industrieviertels. Und der Port Vell war früher der Industriehafen von Barcelona. Man kann sich ungefähr vorstellen wie es um die Wasserqualität bestellt war. Manchmal wird behauptet Barcelona hatte früher gar keinen Strand. Das stimmt so nicht, nur war er sehr viel kleiner. Dort wo heute der „Wounded Star“ steht, lag früher eine Barrackensiedlung, die sich bis zum heutigen Olympiahafen erstreckte. Im angrenzenden Viertel Barceloneta gibt es ein Restaurant, welches den Namen trägt: Somorrostro. Einige Menschen sagen, Rebecca Horns Installation soll einen alten Leuchtturm darstellen. Andere meinen, man sieht alte Barracken übereinander gestapelt und somit eine Erinnerung an die Elendsquartiere, die 1986 abgerissen worden sind.

Via Laietana – die Schneise durch die Altstadt

Via Laietana - sieht nicht aus wie Altstadt! Ist es aber!
Die Via Laietana durchschneidet die Altstadt

Rund um die Kathedrale im Gotischen Viertel liegen die schmalsten Gassen Barcelonas. Die römische Stadtmauer fasste auch die mittelalterliche Stadt noch ein, ehe in der Blütezeit Kataloniens im 13. und 14 Jahrhundert die Stadt wuchs und neue Stadtmauern zum Schutz errichtet wurden. Diese Stadtmauern durften erst 1854 abgerissen werden (eine Order aus Madrid). Ab 1859 entstand das schachbrettartig angelegte Eixample, die Vielzahl von Fabriken gab Barcelona den Beinamen „das katalanische Manchester“. Wo heute der Port Vell liegt (Alter Hafen), ist vom früheren Industriehafen nichts mehr zu sehen. im späten 19. Jahrhundert entstand die Idee, dass eine Verbindung aus dem oberen, neuen Barcelona zum Hafen unbedingt notwenig sei. Nur lag auf dem direkten Wege das Gassengewirr der Altstadt. Was also tun? Alles abreißen, was im Weg steht! So wurde ab 1915 auf einer Breite von 80 Metern und einer Länge von 900 Metern die gesamte Altstadt abgerissen. 80 Straßen und Plätze verschwanden, 270 Häuser, 10000 Menschen wurden umgesiedelt. An den Rändern dieser Schneise ist das noch heute gut zu erkennen. Auf der westlichen und östlichen Seite liegen neue, meist höhere Gebäude, dahinter ältere, deutlich flachere Architektur. Besonders gut lässt es sich am südlichen Ende der Via Laietana bei der Post (Correros y Telegrafos) erkennen. Der Volksstamm der Laietaner (die waren schon vor den Römern in Barcelona) gab der Straße ihren Namen.