Fun with Flags Teil 2 – was die Barcelonins bewegt!

An vielen Balkonen in Barcelona zu sehen.
Keine Touristen-Apartments – fordern viele Anwohner (wie hier im Viertel Barceloneta)

„Keine Touristen-Apartmants“ – die Erklärung wird an diesem Wohnhaus im Viertel Barceloneta gleich mitgeliefert. „Touristen, wohnt in Hotels, in Apartments wird gelebt“. Das Ausmaß an Gentrifizierung macht vielen Bewohnern Angst. Zu wenig bezahlbare Wohnungen, steigende Preise, kleine Geschäfte verschwinden, machen Platz für Souvenirläden, Tapas-Bars und die Filialen der großen Ketten. Im eigenen Viertel gerät die Balance in Schieflage, Rückzugsräume der Bevölkerung verschwinden, die Unzufriedenheit steigt.

Krasse Botschaft für Touristen
Der Tourismus tötet die Viertel

In dieselbe Richtung geht der Aufkleber: „Tourismus tötet die Viertel“. Neben dem Rollkoffer ist der Selfie-Stick Erkennungsmerkmal vieler Touristen. Zwar geben in Barcelona 86,7% der Bewohner an, dass der Tourismus der Stadt nutzt, doch die Hälfte ist gegen ein weiteres Wachstum mit noch mehr Besuchern. Diese Diskussion wird häufig an den Touristen der Kreuzfahrtschiffe festgemacht. Zwei Zahlen: 2002 waren es 200.000, 2016 – nach Vergrößerung der Terminals – 2,7 Millionen Menschen. An einzelnen Tagen kommen über 30.000 Besucher nur über Kreuzfahrtschiffe in die Stadt. Das sorgt nicht nur für ungeteilte Freude.

Der Geier soll bitte draußen bleiben.
Wir bleiben im Viertel – raus mit den Spekulanten (Plakat im Gotischen Viertel)

Ein aktuelles Prostest-Plakat: „Wir bleiben im Viertel – raus mit den Spekulanten“. Zwar geht die neue Stadtregierung (seit 2015) schärfe gegen illegale Touristenapartments vor, und in den Viertel, wo es zu viele gibt, werden keine neuen Konzessionen vergeben.

Luxus Immobilien Agentur
Luxus Immobilien Agentur im Gotischen Viertel – da graust es vielen Anwohnern

Doch in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen wird in Barcelona (und anderswo) viel in Immobilen investiert. Auch im großen Stil. Versicherungen und internationale Fonds mischen den Markt auf, großes Feindbild für viele bleiben Airbnb und Immobilienagenturen für Luxusobjekte.

Volem un barri digne!! Wir wollen ein würdiges Viertel.
Volem un barri digne!! Wir wollen ein würdiges Viertel.

„Volem un barri digne!“ – „Wir wollen ein würdiges Viertel!“. Der Klassiker unter den Anwohner-Protesten. Wo immer man in Barcelona solche (oder ähnliche) Plakate sieht, irgendetwas liegt im Argen. Lärm, Müll, Drogen, Touristenapartments, steigende Preise…

Wir retten die Drassanes, keine neuen Hotels mehr.
Wir retten die Drassanes, keine neuen Hotels mehr.

… oder der Bau neuer Hotels. Zwar sind aktuelle Projekte unter der Stadtregierung der Bürgermeisterin Ada Colau schwieriger zu verwirklichen. Doch die Bevölkerung geht dort auf die Barrikaden, wo mit dem Bau von Hotels unweigerlich die Viertel-Struktur belastet werden würde. „Wir retten die Drassanes – keine neuen Hotels“. Plakate wie dieses hängen im südlichen Raval in der Nähe der mittelalterlichen Werften Drassanes, wo eine große Baulücke klafft, die schon bald durch ein Hotel geschlossen werden könnte.

Barcelona profitiert enorm vom Tourismus. Nur ist für viele Bewohner die Balance seit langer Zeit verloren gegangen. Viele Menschen fühlen sich nicht mitgenommen, für sie überwiegen die negativen Konsequenzen des Massentourismus. Oft fallen in der Diskussion zwei Begriffe. „Morir de exito“ (am Erfolg zugrunde gehen) und „Parque tematico“ (Themenpark, vielleicht am besten mit Disneyland übersetzt). Man möchte nicht als Staffage für einen durchgentrifizierten Vergnügungspark herhalten, der nicht mehr als das eigene barri (Viertel) zu erkennen ist.

 

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